Deutschland diskutiert über KI-Rechenzentren. Über Gigafactories, Chips und Cloud. Für mich ist das nur die halbe Debatte.
Denn ein Rechenzentrum ist kein IT-Projekt. Ein Rechenzentrum ist ein Stromprojekt. Und Deutschland hat keine Energiekrise. Deutschland hat eine Anschlusskrise. Strom ist genug da. Der Weg zum Strom fehlt.
Künstliche Intelligenz braucht Rechenleistung. Und Rechenleistung braucht Strom. Sehr viel Strom.
Die Zahlen sind eindeutig. Die KI-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren soll von 530 Megawatt im Jahr 2025 auf 2.020 Megawatt im Jahr 2030 steigen. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit bis zu 80 Terawattstunden zusätzlichem Strombedarf pro Jahr allein durch Rechenzentren. Und die Bundesregierung beziffert die mögliche Stromlücke bis 2035 auf bis zu 36 Gigawatt – Rechenzentren, Wärmepumpen und E-Mobilität zusammen.
Wer über KI-Rechenzentren spricht, spricht also über Anschlussleistung, Netzkapazität und Standortwahl. Genau da kennen wir uns aus.
Die Nachfrage ist da, und sie ist eindeutig. Eine repräsentative Bitkom-Umfrage vom Juli 2026 unter 603 Unternehmen zeigt: 100 Prozent würden Deutschland als Standort für ihre Cloud-Daten bevorzugen. Für 97 Prozent spielt der Serverstandort bei der Anbieterwahl eine Rolle. Die USA werden nur von 12 Prozent bevorzugt, 51 Prozent lehnen sie sogar ab.
Dahinter steckt mehr als ein Gefühl. Der europäische Cloud-Markt wird von wenigen sehr großen US-Anbietern dominiert. Für viele Unternehmen ist diese Abhängigkeit existenziell geworden. Fällt der Anbieter aus, steht der Betrieb still. Datensouveränität ist längst kein Marketingbegriff mehr, sondern ein reales Risiko im Tagesgeschäft.
Der Gesetzgeber schiebt in dieselbe Richtung. Der EU Data Act senkt die Wechselhürden, die Unternehmen bisher an einen einzigen Anbieter gebunden haben. Das öffnet den Markt für lokale, souveräne Alternativen.
Kurz: Die Nachfrage nach KI-Rechenzentren in Deutschland wächst. Und sie sucht einen Standort mit planbarer Stromversorgung.
Weil der Anschluss längst vergeben ist. Wer heute Leistung ans Netz bringen will, stellt sich in eine Schlange, die kaum noch vorwärtskommt.
Rund 40.000 Projekte stehen in den Netzanschluss-Warteschlangen, zusammen etwa 270 Gigawatt. Über 45 Milliarden Euro Investitionsvolumen sind blockiert. Die DIHK meldet, dass Anschlusskapazitäten vielerorts bereits bis 2029 ausgeschöpft sind. Der Netzausbau selbst dauert 8 bis 12 Jahre.
In Frankfurt, dem wichtigsten Rechenzentrumsstandort des Landes, sind neue Großprojekte vor 2030 praktisch chancenlos. Der Netzbetreiber erwartet leistungsstarke Neuanschlüsse erst ab Mitte der 2030er Jahre.
Und es trifft nicht nur die Digitalwirtschaft. Eine Gießerei in Ostfriesland will sechs Millionen Euro in einen klimafreundlichen Elektro-Induktionsofen investieren. Den Netzanschluss dafür bekommt sie laut Netzbetreiber frühestens 2031 oder 2032. Für Verbraucher wie Rechenzentren, Ladeparks oder Großwärmepumpen gibt es nicht einmal eine belastbare Warteliste.
Bei der Umsetzung gibt es zwei Wege, die sich in Förderlogik und Vermarktungsmöglichkeiten unterscheiden:
Beim ersten Modell wird der Speicher als eigenständiger Marktteilnehmer am PV-Netzanschluss betrieben. Er kann Strom sowohl aus der PV-Anlage als auch aus dem Netz aufnehmen und ist an allen relevanten Märkten handelbar. Das gibt den größtmöglichen Spielraum für Arbitrage-Erlöse.
Beim zweiten Modell, der „echten" Co-Location im Sinne geförderter Ausschreibungen, ist der Speicher bilanziell der PV-Anlage zugeordnet, wird ausschließlich mit grünem Solarstrom geladen und speist gezielt zu Hochpreis-Zeiten ein. Branchenanalysen zufolge lässt sich damit der Marktwert des PV-Stroms mehr als verdoppeln, allerdings ist das regulatorische Korsett enger, zum Beispiel im Rahmen der EEG-Innovationsausschreibung.
Welche Variante passt, hängt von Anlagengröße, Netzanschlussbedingungen, Förderhistorie und Vermarktungsstrategie ab.
Nein. Die Politik hat das Thema erkannt. Am 29. Juli 2026 hat das Kabinett das Netzanschlusspaket beschlossen. Das Windhundprinzip fällt. Netzbetreiber dürfen Anschlussbegehren künftig priorisieren. Und – das steht wörtlich im Entwurf – auch depriorisieren.
Über das erste wird gern geredet. Über das zweite schweigt man lieber.
Für mich ändert das an der Sache wenig. Priorisierung schafft kein einziges Kilowatt. Sie entscheidet nur, wer zuerst drankommt. Und wer noch länger wartet. Die Warteschlange wird nicht kürzer. Sie wird nur umsortiert.
Die Bundesregierung schreibt es sogar selbst: Die Netzanschlusskapazität entwickelt sich zu einem zunehmend knappen Gut, um das verschiedene Nutzergruppen konkurrieren. Genau das ist der Punkt.
Wer nicht auf den Netzausbau warten will, bewirtschaftet das knappe Gut. Es gibt drei Wege. Der Ingenieursverband VDE hat im Juli 2026 bestätigt, dass der Netzanschluss zum Nadelöhr für KI-Rechenzentren wird, und nennt als Hebel unter anderem, Lastspitzen zu steuern und Speicher einzusetzen. Das ist genau unsere Logik.
Ein Anschluss, zwei Funktionen. Wo bereits Leistung liegt, etwa an einem Solarpark, lässt sich zusätzliche Kapazität sinnvoll koppeln. Co-Location richtig gemacht bringt Ertrag, ohne einen neuen Anschluss zu beantragen.
Wer seine Lastspitzen kappt, braucht weniger Anschlussleistung und senkt zugleich die Netzentgelte. Lastspitzenkappung ist kein Verzicht. Sie ist eine kluge Bewirtschaftung des vorhandenen Anschlusses.
Statt sich an einen überlasteten Knoten zu drängen, geht man dorthin, wo im Netz noch Platz ist. Klug gewählte, verteilte Standorte statt eines Mega-Standorts an der Engstelle. Das ist der Weg der dezentralen Rechenzentren.
Bei Batteriespeichern haben wir diese Antwort längst gefunden. Klein. Verteilt. Dezentral. Dort im Netz, wo noch Platz ist. Nicht am überlasteten Knoten, sondern in der Fläche.
Warum eigentlich nicht auch bei Rechenzentren?
Ein zweites Argument kommt dazu. Seit Juli 2026 müssen neue Rechenzentren einen Teil ihrer Abwärme nutzbar machen, ab 2028 sogar 20 Prozent. Ein großes Rechenzentrum auf der grünen Wiese findet dafür oft keinen Abnehmer. Ein kleines, dezentrales Rechenzentrum neben einem Gewerbebetrieb schon.
Genau an diesem Gedanken arbeiten wir gerade. Dazu bald mehr an dieser Stelle.
Und weil der Anschluss das Gold ist: aurivolt sucht laufend Flächen und Grundstücke mit vorhandenem oder realisierbarem Netzanschluss. Für dezentrale Speicherprojekte. Und darüber hinaus.
Viele planen Speicher. Wir betreiben sie.
Wer auf den Netzausbau wartet, wartet auf 2035.
Denken Sie mal drüber nach. Ich tue es auch.
future runs here
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Ein dezentrales Rechenzentrum ist ein kleines, verteiltes Rechenzentrum, das dort im Stromnetz errichtet wird, wo Netzkapazität vorhanden ist, statt an überlasteten zentralen Netzknoten. Dezentrale Rechenzentren nutzen freie Anschlusskapazität in der Fläche, verkürzen die Realisierungszeit und können ihre Abwärme an benachbarte Gewerbebetriebe abgeben.
IDie KI-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren soll von 530 Megawatt im Jahr 2025 auf 2.020 Megawatt im Jahr 2030 steigen – also fast das Vierfache in fünf Jahren. Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet bis zu 80 Terawattstunden zusätzlichen jährlichen Strombedarf durch Rechenzentren. Die Bundesregierung beziffert die mögliche Stromlücke bis 2035 auf bis zu 36 Gigawatt, gemeinsam mit Wärmepumpen und E-Mobilität..
Weil KI-Anwendungen hohe Anschlussleistung an einem einzigen Punkt benötigen und genau diese Leistung in den Ballungsräumen längst vergeben ist. Der VDE hat im Juli 2026 bestätigt, dass der Netzanschluss zum Nadelöhr für KI-Rechenzentren wird. Rund 40.000 Projekte mit etwa 270 Gigawatt stehen in den Warteschlangen, der Netzausbau selbst dauert 8 bis 12 Jahre.
DDrei Wege: bestehende Anschlüsse doppelt nutzen (Co-Location), den eigenen Anschluss durch Lastspitzenkappung kleiner halten (Peak Shaving) und dorthin gehen, wo im Netz noch Kapazität vorhanden ist (dezentrale Standortwahl). Alle drei bewirtschaften vorhandene Anschlusskapazität, statt neue zu beantragen – und sind damit Jahre schneller als ein Netzausbauprojekt..
Ein Edge-Rechenzentrum wird nach der Nähe zum Nutzer geplant, ein dezentrales Rechenzentrum nach der verfügbaren Netzkapazität. Beide sind klein und verteilt, das entscheidende Kriterium unterscheidet sich: bei Edge die Latenz, bei dezentralen Rechenzentren der Netzanschluss. In der Praxis fallen beide oft zusammen, weil freie Anschlusskapazität meist dort liegt, wo auch die Nutzer sind.
Ja. Seit Juli 2026 müssen neue Rechenzentren in Deutschland einen Teil ihrer Abwärme nutzbar machen, ab 2028 mindestens 20 Prozent. Für große Standorte auf der grünen Wiese ist das schwierig, weil kein Abnehmer in der Nähe ist. Ein kleines, dezentrales Rechenzentrum neben einem Gewerbebetrieb erfüllt die Anforderung dagegen fast automatisch.